Wissen

Das CMS wechseln: wann es sich lohnt — und wann nicht

Die häufigsten Gründe für einen CMS-Wechsel sind gar keine — sie lösen sich anders und billiger. Welcher Grund für sich allein trägt, was ein Wechsel wirklich kostet und wie Sie die Entscheidung sauber treffen.

«Wir brauchen ein neues System» — dieser Satz fällt oft, und in etwa der Hälfte der Fälle ist das System nicht das Problem. Ein Wechsel ist teuer, dauert Monate und bringt Risiken mit, die sich vorher schlecht abschätzen lassen. Manchmal ist er trotzdem alternativlos. Dieser Beitrag hilft, die beiden Fälle auseinanderzuhalten: welche Gründe einen Wechsel nicht rechtfertigen und was stattdessen hilft, welcher Grund für sich allein trägt, und was der Umstieg tatsächlich kostet — auch an den Stellen, die in keinem Angebot stehen.

So treffen Sie die Entscheidung

  1. 1

    Das Problem aufschreiben, nicht die Lösung

    Notieren Sie, was konkret stört — nicht «wir brauchen WordPress», sondern «wir können Bilder nicht selbst tauschen», «die Seite lädt sechs Sekunden», «niemand findet uns». Drei bis fünf Sätze genügen. Diese Liste ist der Massstab, an dem sich jeder Vorschlag messen lassen muss, auch der eines Dienstleisters.

    Resultat: Eine Liste von Problemen statt einer vorweggenommenen Antwort.

  2. 2

    Den Sicherheitsstand prüfen

    Stellen Sie fest, welche Version Ihres Systems läuft und ob sie noch Sicherheitsupdates bekommt. Die Hersteller veröffentlichen das offen; Ihr Dienstleister kann es in Minuten beantworten. Diese eine Auskunft entscheidet mehr als alle anderen: Ohne Updates ist der Wechsel keine Abwägung mehr, sondern eine Frage des Zeitpunkts.

    Resultat: Eine belastbare Antwort auf die Frage, ob Sie noch Zeit haben.

  3. 3

    Jedes Problem gegen die günstigere Lösung prüfen

    Gehen Sie Ihre Liste durch und fragen Sie bei jedem Punkt: Lässt sich das im bestehenden System lösen? Aussehen über eine neue Vorlage, Geschwindigkeit über Bilder und Hosting, Bedienbarkeit über Schulung oder eine aufgeräumte Eingabemaske. Was übrig bleibt, ist die echte Begründung für einen Wechsel.

    Resultat: Eine verkürzte Liste — und Klarheit, ob darauf noch etwas steht.

  4. 4

    Den Bestand zählen

    Wie viele Seiten hat Ihre Website tatsächlich? Wie viele davon wurden in den letzten zwei Jahren aufgerufen? Erfahrungsgemäss ist ein erheblicher Teil des Bestands tot. Was niemand liest, muss auch nicht umziehen — das ist der wirksamste Hebel auf die Kosten, und er kostet nur eine Entscheidung.

    Resultat: Eine Zahl, mit der sich der Aufwand überhaupt erst schätzen lässt.

  5. 5

    Die Adressliste sichern, bevor irgendetwas beginnt

    Exportieren Sie alle bestehenden Adressen Ihrer Website — aus der Sitemap, aus der Suchkonsole, aus den Server-Protokollen. Diese Liste ist die Grundlage für die Umleitungen und damit für den Erhalt Ihrer Platzierungen. Wer sie erst nach dem Abschalten der alten Seite vermisst, bekommt sie nicht mehr vollständig zurück.

    Resultat: Eine vollständige Liste alter Adressen, aufbewahrt ausserhalb des alten Systems.

  6. 6

    Den Umzug erst danach planen

    Wenn die Entscheidung für den Wechsel gefallen ist, geht es an den Ablauf: Zielsystem wählen, Inhalte übertragen, Umleitungen einrichten, testen, umschalten. Dafür gibt es unsere Migration-Checkliste; wer von Joomla kommt, findet die Besonderheiten im Beitrag zum Joomla-Umzug.

    Resultat: Ein Plan mit Reihenfolge — statt eines Umzugs, der unterwegs improvisiert wird.

Die vier Gründe, die keinen Wechsel rechtfertigen

Wir fangen bewusst hier an, denn diese vier machen den grössten Teil der Anfragen aus. In allen vier Fällen gibt es eine Lösung, die schneller und deutlich günstiger ist.

«Die Website sieht veraltet aus»

Das Aussehen steckt in der Gestaltungsvorlage, nicht im System. Jedes verbreitete CMS lässt sich neu einkleiden, ohne einen einzigen Inhalt anzufassen. Wer wegen des Erscheinungsbilds das System wechselt, bezahlt den Umzug zusätzlich — die Gestaltungsarbeit fällt hinterher trotzdem an, denn ein neues System bringt kein fertiges Erscheinungsbild mit.

«Die Website ist langsam»

In den allermeisten Fällen liegt das an vier Dingen: zu grossen Bildern, zu vielen Erweiterungen, fehlendem Zwischenspeicher und zu knappem Hosting. Alle vier sind unabhängig vom CMS, und alle vier sind meist an einem Tag erledigt. Ein Wechsel ändert daran nichts — dieselben Bilder sind im neuen System genauso gross.

«Niemand kann die Website pflegen»

Hier lohnt die Nachfrage, woran es liegt. Häufig ist die Eingabemaske über Jahre mit Feldern zugewachsen, die niemand braucht, oder es hat schlicht nie eine Einführung gegeben. Zwei Stunden Aufräumen und eine Stunde Schulung lösen mehr als ein Systemwechsel — nach dem übrigens dieselbe Frage wieder auftaucht, nur mit einer Oberfläche, die alle erst lernen müssen.

«Alle nutzen heute WordPress»

Verbreitung ist ein Argument bei der Auswahl eines neuen Systems, aber keines für den Wechsel eines funktionierenden. Ein gepflegtes TYPO3, ein aktuelles Joomla und ein aktuelles WordPress leisten für eine Firmenwebsite dasselbe. Welches System wofür taugt, haben wir in der Entscheidungshilfe zu Joomla und WordPress auseinandergenommen.

Der Grund, der für sich allein trägt

Es gibt einen: Ihr System bekommt keine Sicherheitsupdates mehr.

Solange ein Hersteller Updates liefert, werden bekannt gewordene Lücken geschlossen. Endet dieser Support, bleibt jede neu gefundene Lücke dauerhaft offen — und sie wird veröffentlicht, weil Sicherheitsforschung nun einmal öffentlich stattfindet. Angreifer suchen genau danach: nicht nach der besten Website, sondern nach der ältesten Version.

Dagegen hilft keine Firewall dauerhaft und kein noch so gutes Hosting. Es ist der einzige Punkt, an dem die Frage nicht mehr lautet, ob gewechselt wird, sondern wann.

Wo die verbreiteten Systeme derzeit stehen

Zum Stand vom August 2026, geprüft an den Herstellerangaben:

  • TYPO3 v12 hat den kostenlosen Sicherheits-Support am 30. April 2026 verloren. Das ist die frischeste Änderung und betrifft viele Firmenwebsites, die 2022 oder 2023 gebaut wurden.
  • TYPO3 v11 ist seit dem 31. Oktober 2024 ohne kostenlosen Support; über das kostenpflichtige ELTS-Programm gibt es Updates noch bis 31. Oktober 2027.
  • TYPO3 v13 ist bis Ende 2027 sicherheitsversorgt, v14 deutlich länger.
  • Drupal 7 ist seit dem 5. Januar 2025 endgültig ohne Support, Drupal 9 bereits seit November 2023.
  • Bei Joomla gilt dasselbe Prinzip; die Besonderheiten des Umstiegs stehen im Beitrag zum Joomla-Umzug.

Wichtig zur Einordnung: «Kein kostenloser Support mehr» heisst nicht, dass die Website morgen ausfällt. Sie läuft weiter. Es heisst, dass die Uhr läuft — und dass Sie ab jetzt entweder für verlängerten Support zahlen oder den Wechsel planen. Beides ist vertretbar; nichts tun ist es nicht.

Die weiteren Gründe, die zählen können

Neben dem Sicherheitsstand gibt es Gründe, die für sich allein nicht ausreichen, in der Summe aber tragen:

Niemand mehr am Markt kennt das System. Bei selbstgebauten oder sehr seltenen Systemen wird die Abhängigkeit von einer einzigen Person zum Betriebsrisiko. Fällt sie aus, gibt es keinen Ersatz.

Was Sie brauchen, gibt es im aktuellen System nicht. Ein Shop, ein Mitgliederbereich, Mehrsprachigkeit, eine Anbindung an die Warenwirtschaft — wenn das im bestehenden System nur mit erheblichem Eigenbau ginge, ist der Wechsel oft der günstigere Weg.

Die laufenden Kosten stehen im Missverhältnis. Wenn Lizenzen, kostenpflichtiger Verlängerungssupport und Spezialistenstunden zusammen mehr kosten als der Umzug in wenigen Jahren, rechnet sich der Wechsel schlicht.

Was ein Wechsel wirklich kostet

In Angeboten steht die Migration. Drei Posten stehen selten drin, und sie sind zusammen oft grösser:

Das Aufräumen davor. Inhalte prüfen, entrümpeln, Struktur überdenken. Diese Arbeit macht niemand für Sie, weil nur Sie wissen, was noch stimmt. Sie ist gleichzeitig der grösste Hebel: Was nicht mitgenommen wird, muss auch nicht bezahlt werden.

Das Umlernen danach. Alle, die Inhalte pflegen, arbeiten für einige Wochen langsamer. Das ist normal und geht vorbei, sollte aber eingeplant sein — besonders wenn der Umzug in eine ohnehin arbeitsintensive Zeit fällt.

Die Nacharbeit. Nach jedem Umzug tauchen Kleinigkeiten auf: ein Formular, das anders aussieht, eine Verlinkung, die ins Leere zeigt, ein Bild in falscher Grösse. Rechnen Sie damit, statt sich davon überraschen zu lassen.

Der eine Fehler, der wirklich teuer wird

Wenn bei einer Migration etwas dauerhaft schiefgeht, dann fast immer dasselbe: Die alten Adressen werden nicht weitergeleitet.

Der Rang einer Website in Suchmaschinen hängt an den einzelnen Adressen, nicht am System dahinter. Bekommt jede alte Adresse eine dauerhafte Umleitung auf ihre neue Entsprechung, wandert der Rang in aller Regel binnen weniger Wochen mit. Fehlen die Umleitungen, laufen sämtliche bestehenden Verweise ins Leere — jeder Link aus einem Verzeichnis, jeder Verweis von einem Partner, jedes Lesezeichen. Diese Verweise sind über Jahre entstanden und kommen nicht von selbst zurück.

Deshalb steht in der Schrittliste oben, die Adressliste zu sichern, bevor irgendetwas beginnt. Nach dem Abschalten der alten Website ist sie nur noch unvollständig zu rekonstruieren.

Der richtige Zeitpunkt

Ein Wechsel unter Zeitdruck wird schlecht. Wer wartet, bis die Website gehackt wurde oder der Support seit zwei Jahren ausgelaufen ist, trifft die Entscheidung nicht mehr selbst — und zahlt für Eile.

Der brauchbare Rhythmus: Prüfen Sie einmal im Jahr, wie lange Ihre Version noch Sicherheitsupdates bekommt. Nähert sich das Ende auf zwölf Monate, beginnt die Planung. Das ist genug Zeit, um in Ruhe zu entscheiden, aufzuräumen und einen ordentlichen Umzug zu machen — statt einen schnellen.

Wie wir damit umgehen

Wir machen Migrationen, und deshalb gehört dieser Satz hierher: Wir sagen Ihnen auch, wenn wir keinen Grund für einen Wechsel sehen. Bei einer Website, deren System noch Sicherheitsupdates bekommt und deren Probleme sich mit einer neuen Gestaltungsvorlage oder aufgeräumtem Hosting lösen lassen, ist eine Migration die teurere Antwort auf eine Frage, die sich anders beantworten lässt.

Wenn Sie unsicher sind, in welchem der beiden Fälle Sie stecken: Die Schrittliste oben führt in einer halben Stunde zu einer belastbaren Antwort. Wenn danach immer noch Fragen offen sind, schauen wir uns den Bestand gemeinsam an.

FAQ

Häufige Fragen

  • Woran erkenne ich, dass ein Wechsel wirklich nötig ist?

    Am zuverlässigsten an einem einzigen Punkt: Ihr System bekommt keine Sicherheitsupdates mehr. Dann ist jede bekannt gewordene Lücke dauerhaft offen, und das lässt sich mit keiner Massnahme dauerhaft ausgleichen. Alle anderen Gründe — Aussehen, Geschwindigkeit, umständliche Bedienung, fehlende Funktionen — sollten Sie zuerst gegen die günstigere Lösung prüfen. Sie sind meist Symptome, deren Ursache woanders liegt.

  • Unsere Website sieht veraltet aus. Brauchen wir ein neues CMS?

    Nein. Das Aussehen steckt in der Gestaltungsvorlage, nicht im System. Ein neues Erscheinungsbild lässt sich in jedem verbreiteten CMS umsetzen, ohne die Inhalte anzufassen. Wer wegen des Aussehens das System wechselt, zahlt für den Umzug und bekommt anschliessend dieselbe Aufgabe noch einmal gestellt — denn gestaltet werden muss trotzdem.

  • Unsere Website ist langsam. Hilft ein anderes System?

    Selten. Die häufigsten Ursachen für lange Ladezeiten sind unkomprimierte Bilder, zu viele Erweiterungen, fehlendes Zwischenspeichern und knapp bemessenes Hosting. Alle vier sind unabhängig vom CMS und meist an einem Tag behoben. Wenn dieselbe Seite nach der Bereinigung immer noch träge ist, lohnt sich die Systemfrage — vorher nicht.

  • Verlieren wir bei einem Wechsel unsere Google-Platzierungen?

    Nur wenn die Umleitungen fehlen. Der Rang hängt an den einzelnen Adressen, nicht am System. Bleibt jede alte Adresse per dauerhafter Umleitung mit ihrer neuen Entsprechung verbunden, überträgt sich der Rang in aller Regel innerhalb weniger Wochen. Fehlen die Umleitungen, laufen alle bestehenden Verweise ins Leere — und dieser Verlust ist real und dauerhaft. Es ist der häufigste schwere Fehler bei Migrationen.

  • Wie lange dauert ein CMS-Wechsel?

    Bei einer überschaubaren Firmenwebsite mit einigen Dutzend Seiten sind es Wochen, nicht Monate. Aufwendiger wird es mit der Menge an Inhalten, mit Sonderfunktionen wie Shop, Mitgliederbereich oder Anbindungen an andere Systeme, und vor allem mit der Frage, wie sauber die alten Inhalte gepflegt sind. Der Umzug selbst ist selten der langwierige Teil — das Aufräumen davor schon.

  • Können wir Inhalte automatisch übernehmen?

    Zu einem grossen Teil ja. Seiten, Beiträge, Bilder und Grundstrukturen lassen sich zwischen verbreiteten Systemen automatisiert übertragen. Was praktisch nie automatisch mitkommt, sind selbstgebaute Inhaltselemente, Formulare mit eigener Logik und alles, was über Erweiterungen erzeugt wurde. Diese Teile müssen neu gebaut werden, und sie bestimmen den Aufwand.

  • Was passiert mit unseren E-Mail-Adressen und der Domain?

    Beides bleibt unberührt. Domain und E-Mail hängen nicht am CMS. Ein Systemwechsel ist etwas anderes als ein Anbieterwechsel — und selbst bei einem Umzug zu einem anderen Hoster bleiben die Adressen bestehen. Wie ein Domainumzug abläuft, steht in unserem Beitrag zum Domain-Transfer.

Newsletter

Hosting-Wissen direkt in Ihr Postfach.

1–2 Mails pro Monat: Sicherheitswarnungen wie zu wp2shell, neue Beiträge aus dem Wissens-Bereich, gelegentlich technische Notizen. Keine Werbeflut.

1–2 Mails pro Monat. Double-Opt-In, jederzeit abbestellbar. Keine Drittanbieter-Tracker. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung.