«Joomla oder WordPress?» ist eine der meistgestellten Fragen, wenn eine Website neu gebaut oder abgelöst werden soll — und sie ist meistens falsch gestellt. Beide Systeme sind ausgereift, beide betreiben Websites von Einpersonenfirmen bis zu Konzernen, und keines ist dem anderen grundsätzlich überlegen. Interessant wird es erst, wenn man aufhört, nach dem besseren System zu fragen, und stattdessen fragt, was die eigene Organisation braucht: Wie viele Leute pflegen Inhalte, und dürfen die alle dasselbe? Muss die Website mehrsprachig sein? Wer kümmert sich in drei Jahren darum? Dieser Leitfaden geht diese Fragen durch und sagt am Ende auch, wann die richtige Antwort schlicht lautet: bei dem bleiben, was Sie haben.
Die kurze Antwort
Wenn Sie wenig Zeit haben: Für die meisten KMU-Websites ist WordPress die pragmatischere Wahl. Nicht weil es technisch besser wäre, sondern weil es verbreiteter ist — Sie finden leichter jemanden, der es pflegt, es gibt mehr Erweiterungen mit aktiver Entwicklung, und Mitarbeitende kommen mit der Redaktion schneller zurecht.
Joomla ist die bessere Wahl, wenn eine von zwei Bedingungen zutrifft: Sie haben mehrere Redaktionsgruppen, die unterschiedliche Rechte auf unterschiedliche Bereiche brauchen — oder Ihre Website ist mehrsprachig. Beides kann Joomla im Kern, während WordPress dafür auf Plugins angewiesen ist.
Und wenn Sie bereits eine gepflegte Website betreiben, mit der Ihr Team zurechtkommt: Dann ist die richtige Antwort meistens, dabei zu bleiben. Ein Systemwechsel kostet Geld und Gewöhnung und bringt fachlich wenig, solange das bestehende System aktuell gehalten wird.
Wo die Systeme sich wirklich unterscheiden
Verbreitung — und wer die Website in drei Jahren pflegt
Das ist der Punkt, der in Vergleichstabellen selten auftaucht und in der Praxis am meisten wiegt. WordPress betreibt einen erheblichen Teil aller Websites weltweit, Joomla einen kleinen einstelligen Prozentbereich. Für Sie heisst das: Wenn Ihr bisheriger Dienstleister aufhört, das Geschäft übergibt oder Sie wechseln möchten, finden Sie für WordPress schneller und günstiger Ersatz. Bei Joomla ist der Kreis kleiner — es gibt ihn, aber Sie suchen länger.
Umgekehrt gilt: Wer bereits einen Dienstleister hat, der Joomla beherrscht, sollte diesen Vorteil nicht leichtfertig gegen einen Systemwechsel eintauschen.
Rechteverwaltung — Joomlas stärkstes Argument
Joomla bringt ein abgestuftes Rechtesystem mit: Benutzergruppen, Zugriffsebenen und die Möglichkeit, sehr fein festzulegen, wer welche Bereiche sehen und bearbeiten darf. Für einen Verband, bei dem der Vorstand andere Inhalte pflegt als die Sektionen, für eine Schule, bei der die Fachschaften eigene Seiten betreuen, oder für eine Gemeinde mit mehreren Abteilungen ist das kein Detail, sondern der Kern der Anforderung.
WordPress kennt von Haus aus fünf einfache Rollen. Alles darüber hinaus wird über Plugins nachgebaut — was funktioniert, aber eine zusätzliche Abhängigkeit schafft: Jedes Update muss mit dem Rechte-Plugin verträglich bleiben, und mehrere solcher Plugins vertragen sich nicht immer untereinander.
Mehrsprachigkeit — in der Schweiz kein Nebenthema
Joomla kann Mehrsprachigkeit im Standard: Sprachversionen werden miteinander verknüpft, Menüs existieren je Sprache, die Verwaltung der Übersetzungen ist Teil des Systems. WordPress braucht dafür ein Plugin, üblicherweise WPML oder Polylang. Beide sind ausgereift, WPML ist jedoch kostenpflichtig mit wiederkehrender Lizenz.
In einem viersprachigen Land ist das ein Punkt, der öfter zutrifft als anderswo — und über sieben bis zehn Jahre Websitelebensdauer summieren sich Lizenzkosten durchaus zu einem Betrag, der in der Anfangsentscheidung nicht auftaucht.
Erweiterungen — hier führt WordPress deutlich
Für praktisch jede denkbare Funktion gibt es ein WordPress-Plugin, meist mehrere zur Auswahl, oft eines davon kostenlos und gut gepflegt. Das Joomla-Ökosystem ist kleiner: Für gängige Aufgaben wie Formulare, Galerien, Newsletter oder SEO gibt es etablierte Erweiterungen, für Spezialfälle findet sich nicht immer etwas.
Dieser Vorteil hat allerdings eine Kehrseite, die man kennen sollte: Die grösste Sicherheitsschwäche typischer WordPress-Installationen sind nicht Lücken im Kern, sondern der Stapel aus zwanzig oder dreissig Plugins, von denen die Hälfte seit Jahren nicht mehr aktualisiert wurde. Mehr Auswahl verführt zu mehr Installationen.
Bedienung — WordPress ist zugänglicher
Die WordPress-Redaktion ist auf schnelles Loslegen ausgelegt; die Joomla-Oberfläche ist strukturierter, verlangt aber mehr Einarbeitung. Der Unterschied zeigt sich vor allem bei Gelegenheitsnutzern: Wer täglich Inhalte pflegt, findet sich in beiden Systemen zurecht. Wer zweimal im Jahr eine Seite ändert, sucht in Joomla jedes Mal neu.
Sicherheit — hier gibt es keinen Sieger
Beide Systeme sind sicher, solange sie gepflegt werden, und beide werden zum Einfallstor, sobald Updates ausbleiben. WordPress wird häufiger automatisiert angegriffen, weil sich der Aufwand bei dieser Verbreitung für Angreifer lohnt — das macht Joomla aber nicht sicherer, sondern nur seltener getroffen. Was in der Praxis wirklich entscheidet, ist die Anzahl installierter Erweiterungen und ob jemand die Updates zuverlässig einspielt. Wie schnell aus einer vernachlässigten Installation ein echtes Problem wird, zeigt unsere Erste Hilfe für gehackte Websites.
Drei typische Ausgangslagen
Der Handwerksbetrieb, das Restaurant, die kleine Firma. Zehn bis dreissig Seiten, eine Person pflegt gelegentlich Inhalte, eine Sprache. Hier spricht praktisch alles für WordPress: einfachere Bedienung, grössere Auswahl, leichter jemanden zu finden. Joomla wäre kein Fehler, aber es löst kein Problem, das Sie haben.
Der Verband, der Verein, die Schule. Mehrere Gruppen pflegen unterschiedliche Bereiche, vielleicht ein Mitgliederbereich, oft zwei oder drei Sprachen. Das ist die Ausgangslage, in der Joomla seine Stärken ausspielt — die Rechteverwaltung und die Sprachverknüpfung müssen nicht aus Plugins zusammengesetzt werden.
Die gewachsene Website mit Altlasten. Sie läuft auf einer alten Version, die keine Sicherheitsupdates mehr bekommt, und die Frage nach dem System stellt sich, weil ohnehin etwas geschehen muss. Hier lohnt der Blick darauf, was tatsächlich noch gebraucht wird: Oft hängt die halbe Website an zwei Erweiterungen, die niemand mehr nutzt. Was bei so einem Umzug in welcher Reihenfolge zu tun ist, steht in unserer Migration-Checkliste.
Der dritte Weg, den viele übersehen
In der Frage «Joomla oder WordPress» steckt die Annahme, dass gewechselt werden muss. Das stimmt oft nicht. Wenn Ihre Website auf einer aktuellen Version läuft, gepflegt wird und Ihr Team damit zurechtkommt, gibt es keinen fachlichen Grund für einen Systemwechsel — und der wäre teuer, unabhängig von der Richtung.
Auch wenn die Installation veraltet ist, heisst das nicht automatisch Plattformwechsel. Wer bei Joomla bleiben will, geht den Weg auf die aktuelle Version; dass es dabei keinen direkten Sprung von Joomla 3 auf Joomla 6 gibt, erklärt unser Leitfaden Joomla migrieren. Der teurere Weg ist nicht automatisch der bessere.
Wenn es doch ein Wechsel wird
Dann entscheidet nicht die Anzahl der Seiten über den Aufwand, sondern zwei andere Dinge: Erweiterungen ohne Gegenstück auf der Zielplattform und Seiten, die mit einem Baukasten gebaut wurden und neu aufgebaut werden müssen. Beides sollte vor der Offerte auf dem Tisch liegen, nicht in der Schlussrechnung auftauchen.
Der dritte kritische Punkt sind die Adressen. Ein Plattformwechsel verändert jede URL — ohne lückenlose Weiterleitungen brechen die Suchmaschinen-Positionen innerhalb weniger Wochen ein. Das ist der häufigste und teuerste Fehler bei Migrationen, und er ist vollständig vermeidbar.
Wie wir die drei Wege im Einzelnen abwickeln, steht auf den jeweiligen Seiten: Joomla auf WordPress migrieren, WordPress auf Joomla migrieren und Joomla migrieren lassen, wenn Sie beim System bleiben und nur die Version wechseln. Welcher davon in Ihrem Fall der richtige ist, sagen wir Ihnen nach einem Blick auf die bestehende Installation — auch dann, wenn die Antwort «gar keiner» lautet.
Häufige Fragen
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Ist Joomla tot?
Nein. Joomla wird aktiv weiterentwickelt — Joomla 6 ist im Oktober 2025 erschienen, die Sicherheitsupdates kommen regelmässig. Was stimmt: Der Marktanteil ist über die Jahre deutlich gesunken, und WordPress hat sich als Standard durchgesetzt. Das hat praktische Folgen bei der Suche nach Dienstleistern und Erweiterungen, ist aber kein Argument dafür, eine funktionierende und gepflegte Joomla-Website abzulösen.
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Welches System ist sicherer, Joomla oder WordPress?
Keines von beiden — die Frage führt in die Irre. Beide sind sicher, solange sie gepflegt werden, und beide werden zum Risiko, sobald Updates ausbleiben. WordPress wird wegen seiner Verbreitung häufiger automatisiert angegriffen, was Joomla nicht sicherer macht, sondern nur seltener getroffen. Die weitaus grösste Rolle spielen nicht das System, sondern die Anzahl installierter Erweiterungen und die Frage, ob jemand die Updates zuverlässig einspielt.
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Was kann Joomla, was WordPress nicht kann?
Vor allem zwei Dinge im Kern statt über Erweiterungen: die Rechteverwaltung mit Benutzergruppen und abgestuften Zugriffsebenen, und echte Mehrsprachigkeit mit verknüpften Sprachversionen und sprachabhängigen Menüs. WordPress kann beides ebenfalls, braucht dafür aber Plugins — bei Mehrsprachigkeit meist WPML oder Polylang, teils mit wiederkehrenden Lizenzkosten. Für Organisationen mit mehreren Redaktionsgruppen oder mehrsprachigem Auftritt ist das ein echter Unterschied.
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Was kann WordPress besser?
Alles, was mit dem Umfeld zu tun hat. Es gibt deutlich mehr Erweiterungen, mehr Themes, mehr Anleitungen und vor allem mehr Leute, die damit arbeiten können — das zeigt sich spätestens, wenn der bisherige Dienstleister aufhört. Dazu ist die Redaktionsoberfläche für Gelegenheitsnutzer schneller zu begreifen. Wer nur ein paarmal im Jahr etwas ändert, kommt mit WordPress erfahrungsgemäss besser zurecht.
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Lassen sich Inhalte verlustfrei von einem System zum anderen umziehen?
Texte, Bilder, Dokumente und Menüstrukturen ja. Nicht übernehmen lassen sich Layouts aus Seitenbaukästen wie Elementor oder Divi, weil deren Format ausserhalb von WordPress nicht lesbar ist, sowie Funktionen aus Erweiterungen, für die es auf der anderen Seite kein Gegenstück gibt. Genau diese beiden Punkte bestimmen den Aufwand eines Wechsels — nicht die Anzahl der Seiten.
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Was ist mit TYPO3 oder Drupal?
Beide sind leistungsfähig und haben ihre Berechtigung, zielen aber auf grössere Strukturen. TYPO3 ist im deutschsprachigen Raum bei Konzernen und Verwaltungen verbreitet und braucht in aller Regel eine Agentur für den laufenden Betrieb; Drupal ist flexibel, aber anspruchsvoll in der Einarbeitung. Für ein KMU oder einen Verein, der die Inhalte selbst pflegen möchte, sind beide meist überdimensioniert — dort stehen sich realistisch Joomla und WordPress gegenüber.
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Wie lange muss ich mit einer Entscheidung leben?
Erfahrungsgemäss sieben bis zehn Jahre. So lange laufen Firmen-Websites typischerweise, bevor sie grundlegend erneuert werden. Deshalb lohnt es sich, nicht nach dem heutigen Bedarf zu entscheiden, sondern nach dem absehbaren: Wenn die Organisation wächst, weitere Sprachen dazukommen oder mehr Leute mitschreiben sollen, wird das die Wahl mehr beeinflussen als jede Funktion, die man heute vergleicht.