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Stefan Kellenberger 5 Min. Lesezeit

Die Liste, auf der steht, was als Nächstes verschwindet

Ein Werkzeug, auf das unzählige Skripte bauen, ist seit August aus Windows entfernt — nicht abgekündigt, entfernt. Das stand vorher öffentlich auf einer Liste, die Microsoft pflegt und die kaum jemand liest. Was gerade darauf steht, und warum solche Entfernungen erst Monate später auffallen.

Seit August ist WMIC aus Windows 11 verschwunden. Das Kommandozeilenwerkzeug, mit dem man seit zwanzig Jahren Seriennummern ausliest, installierte Software auflistet oder den Zustand einer Festplatte abfragt.

Nicht abgekündigt. Entfernt — und auch nicht mehr nachinstallierbar.

Das ist für sich genommen eine Meldung unter vielen. Interessanter ist, dass es niemanden hätte überraschen müssen: Es stand seit Jahren angekündigt auf einer öffentlichen Liste. Die pflegt Microsoft, sie ist frei zugänglich, sie wird laufend aktualisiert — und sie lässt sich abonnieren.

Zwei Listen, und der Unterschied ist der ganze Nutzen

Es sind genau genommen zwei.

Die eine heisst «deprecated features»: Was nicht mehr weiterentwickelt wird. Es funktioniert noch, es bekommt aber keine Verbesserungen mehr, und irgendwann fliegt es raus. Kein Datum, nur eine Richtung.

Die andere heisst «removed features»: Was schon weg ist, mit Angabe der Version und des Zeitpunkts.

Wer nur Schlagzeilen liest, hält beides für dasselbe. Für einen Betrieb ist es das Gegenteil. Ein abgekündigtes Werkzeug ist eine Aufgabe für die nächsten Monate. Ein entferntes ist ein Ausfall, der schon stattgefunden hat und auf seine Entdeckung wartet.

Was gerade darauf steht

Aus der Liste des bereits Entfernten, alles aus den letzten zwei Jahren:

WMIC — Windows 11, Version 24H2 und höher, seit August 2026.

PowerShell 2.0 — seit August 2025 nicht mehr in Windows 11 24H2, seit September 2025 nicht mehr in Windows Server 2025. Eingeführt mit Windows 7, abgekündigt 2017.

DES als Verschlüsselungsverfahren — seit September 2025 raus aus Windows 11 24H2 und Windows Server 2025.

NTLMv1 — entfernt ab Windows 11 24H2 und Windows Server 2025.

WordPad — aus allen Windows-Ausgaben entfernt, ab 24H2 und Server 2025. Wer damit .rtf-Dateien geöffnet hat, öffnet sie jetzt nicht mehr.

Und aus der Liste des Abgekündigten, also dessen, was noch da ist:

VBScript. Künftig erst nur noch als nachzuinstallierende Zusatzfunktion, danach gar nicht mehr. Damit endet jede .vbs-Datei, die irgendwann jemand geschrieben hat.

Die eingebaute Sicherung. Dazu gleich mehr.

NTLM in allen Fassungen, DirectAccess, TLS 1.0 und 1.1, sowie RSA-Schlüssel unter 2048 Bit.

Und ein Eintrag, den man leicht übersieht: das Druckprotokoll LPR/LPD. Microsoft schreibt dazu ausdrücklich, dass Geräte, die darüber auf einen Windows-Server drucken — genannt werden UNIX-Clients —, nach der Entfernung nicht mehr drucken können. Das betrifft Maschinen in Werkstätten und Etikettendrucker, also genau die Geräte, die niemand anfasst, solange sie laufen.

Der Eintrag, der einen eigenen Absatz verdient

Unter den abgekündigten Funktionen steht die eingebaute Sicherung von Windows — jene, die im System noch «Sichern und Wiederherstellen (Windows 7)» heisst.

Microsofts Empfehlung dazu ist bemerkenswert direkt: Für vollständige Datenträgersicherungen solle man sich ein Produkt eines anderen Herstellers suchen.

Das ist keine Kleinigkeit. In kleinen Betrieben ist das oft genau die Sicherung, die läuft — weil sie schon da war und nichts kostet. Wir haben Ende August nachgelesen, wie viele Betriebe ihrer Sicherung vertrauen und wie viele zu Recht. Wenn die Grundlage dieser Sicherung auf einer Abkündigungsliste steht, gehört sie in dieselbe Prüfung.

Warum solche Entfernungen erst spät auffallen

Hier liegt der eigentliche Grund, warum diese Liste nützlich ist.

Eine entfernte Funktion macht am Tag des Updates nichts kaputt. Der Rechner startet, die Anwendungen laufen, niemand merkt etwas. Kaputt ist es erst, wenn das nächste Mal jemand das alte Skript aufruft — das Inventarskript, das einmal im Quartal läuft. Die Aufgabenplanung, die am Monatsende etwas exportiert. Die Anleitung, nach der ein neuer Rechner eingerichtet wird.

Das kann Monate nach dem Update sein. Und dann ist der Zusammenhang für niemanden mehr sichtbar: Das Skript lief seit Jahren, heute nicht mehr, und dazwischen liegen fünfzig Updates.

Wir haben vergangene Woche über den umgekehrten Fall geschrieben: Dort brachte ein Update Windows dazu, eine vorhandene Einstellung erstmals ernst zu nehmen — latente Konfiguration, die plötzlich wirkt. Hier ist es dieselbe Sache von der anderen Seite: latente Abhängigkeit, der die Grundlage entzogen wird. Beides fällt nicht auf, solange es nicht schiefgeht, und beides steht in keiner Dokumentation des Betriebs.

Was zu tun ist

Suchen Sie nach dem, was Sie verwenden. Auf dem Server und auf den Arbeitsplätzen: Wo stehen Dateien mit der Endung .vbs, wo ruft etwas wmic auf, wo startet eine geplante Aufgabe ein Skript? Das ist eine Suche über die Laufwerke und ein Blick in die Aufgabenplanung — eine halbe Stunde, und meistens findet man zwei oder drei Dinge, an die sich niemand mehr erinnert.

Sehen Sie nach, worauf Ihre Sicherung aufsetzt. Wenn die Antwort «das eingebaute Windows-Backup» lautet, steht sie auf der Liste.

Und dann der Handgriff, der über den heutigen Tag hinausreicht: Beide Seiten bei Microsoft bieten einen RSS-Feed an, der meldet, wenn sich etwas ändert. Der Link dazu steht auf den Seiten selbst. Wer ohnehin einen Feedreader benutzt, hat die Sache in zwei Minuten erledigt — und erfährt künftig von einer Abkündigung, während sie angekündigt wird, statt Monate später beim Aufräumen.

Es ist dieselbe Übung wie im August, als wir den eigenen Bestand an PHP-Versionen durchgezählt haben, statt zu schätzen. Nachsehen ist fast immer billiger als annehmen.

Ein Satz aus der Liste selbst

Am Kopf beider Seiten steht eine Einschränkung, die man ernst nehmen sollte: Die Aufstellung könne sich ändern und enthalte möglicherweise nicht jede betroffene Funktion.

Das heisst im Klartext: Auch die Liste ist keine Garantie. Sie ist trotzdem die beste Vorwarnung, die es gibt — und sie kostet nichts.

Wenn Sie nicht wissen, was bei Ihnen läuft

Bei Installationen, die wir betreuen, gehört diese Frage zur Wartung; wir sehen uns Skripte und Sicherungsverfahren ohnehin an.

Bei allen anderen ist es eine überschaubare Bestandsaufnahme: Welche Skripte laufen, worauf bauen sie, und was davon steht auf einer der beiden Listen. Danach weiss man, ob man Zeit hat oder nicht — und das ist der Unterschied zwischen einer Planung und einer Panne.

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