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Stefan Kellenberger 4 Min. Lesezeit

KI-Agenten kaufen noch nicht ein — aber sie wählen schon aus

Neun Prozent würden eine KI eigenständig einkaufen lassen. Wer jetzt eine Checkout-Anbindung kauft, löst deshalb das falsche Problem. Die Entscheidung fällt vorher — und dort haben wir nachgemessen.

Seit einigen Monaten steht ein neues Schlagwort im Raum: Agentic Commerce. Gemeint ist die Vorstellung, dass eine künstliche Intelligenz künftig nicht nur Produkte vergleicht, sondern selbst bestellt und bezahlt.

Die Grundlagen dafür entstehen tatsächlich gerade. ChatGPT hat eine Einkaufsfunktion, Microsoft baut einen Bezahlvorgang in Copilot ein, Gemini vergleicht Angebote. Visa, Mastercard und PayPal arbeiten alle an Verfahren, mit denen ein Programm im Hintergrund bezahlen darf.

Entsprechend erreichen Betriebe derzeit Angebote, jetzt in eine Anbindung zu investieren. Bevor Sie das tun, lohnt ein Blick auf die Zahlen.

Wie viele Menschen das wollen

Der deutsche E-Commerce-Verband hat im zweiten Quartal 2026 zusätzlich 2500 Onlinekundinnen und -kunden befragt. Das Ergebnis ist eindeutig:

31,2 Prozent haben schon einmal einen Chatbot nach einer Produktempfehlung gefragt. Aber nur 12,7 Prozent würden einer solchen Empfehlung folgen, ohne selbst weiterzusuchen. 68,6 Prozent kommt es nicht infrage, einem KI-Agenten Zugang zu ihren Zahlungsdaten zu geben. Und neun Prozent wären bereit, eine KI eigenständig einkaufen zu lassen.

Neun Prozent Bereitschaft ist nicht dasselbe wie neun Prozent Nutzung — es ist die Obergrenze dessen, was heute überhaupt denkbar wäre. Die tatsächliche Zahl liegt weit darunter.

Auf der Händlerseite sieht es ähnlich aus. In einer Befragung von Publicis Sapient hielten sich 96 Prozent der Handelsverantwortlichen für vorbereitet — aber nur 36 Prozent hatten überhaupt maschinenlesbare Produktdaten. Das ist die Voraussetzung für alles Weitere.

Was die Zahlen aber auch sagen

Man kann diese Umfrage als Entwarnung lesen. Das wäre zu einfach.

Denn dieselbe Erhebung zeigt: Fast sechs Prozent aller Onlinekäufe wurden im zweiten Quartal mit KI-Unterstützung recherchiert, bei den 14- bis 39-Jährigen über zehn Prozent. Und knapp ein Drittel hat schon einmal nach einer Empfehlung gefragt.

Der Kauf verlagert sich also nicht — die Auswahl verlagert sich. Bezahlt wird weiter auf Ihrer Seite, mit Ihrem Warenkorb. Aber die Frage, ob Ihre Seite überhaupt in der engeren Wahl auftaucht, wird zunehmend woanders beantwortet.

Das ist übrigens genau das Muster, das wir bei der Google-Suche beobachten: Die KI-Übersicht beantwortet die Frage, und der Klick bleibt aus. Wir haben das für unsere eigenen Suchbegriffe nachgemessen und aufgeschrieben.

Wir haben es an uns selbst geprüft — zweimal

Zur ersten Frage, ob KI-Systeme Besucher bringen: In elf Tagen zählten unsere Serverprotokolle rund 3000 Abrufe durch KI-Bots — und genau einen Besucher, der aus einem KI-System heraus auf die Website kam. Zum Vergleich kamen im selben Zeitraum 185 Besucher über die Google-Suche.

Wer also darauf hofft, dass KI-Systeme Verkehr auf die Seite schicken, wartet vermutlich vergeblich. Das ist keine Prognose, sondern eine Messung an unserer eigenen Seite.

Zur zweiten Frage, ob wir in den Antworten überhaupt vorkommen, haben wir dieselbe Frage nach unserer Leistung an fünf verschiedene KI-Dienste gestellt. Zwei von fünf nannten uns. Die anderen drei nannten Mitbewerber — obwohl die betreffende Seite bei Google gut steht und inhaltlich ausführlicher ist als die der genannten Anbieter.

Daraus folgt der Satz, auf den es ankommt: Eine gute Google-Position bedeutet nicht, dass eine KI Sie nennt. Das sind zwei verschiedene Auswahlverfahren, und das zweite zieht andere Signale heran.

Was wir stattdessen empfehlen

Keine Checkout-Anbindung kaufen. Für einen Schweizer Kleinbetrieb gibt es heute kein vernünftiges Verhältnis von Aufwand zu Nutzen. Diese Entscheidung lässt sich in zwei Jahren immer noch treffen, dann mit besserer Grundlage.

Produktdaten maschinenlesbar machen. Preise, Verfügbarkeit, Öffnungszeiten, Leistungen — als strukturierte Daten im Quelltext, nicht nur als Text im Bild. Das ist dieselbe Arbeit, die auch der Google-Suche zugutekommt, und sie ist keine Wette auf eine Zukunft, sondern heute schon nützlich.

Für Belege von aussen sorgen. Bei unserer Prüfung zog einer der Dienste eine Liste mit Bewertungssternen heran. Wer dort keine Bewertungen hat, taucht in dieser Liste nicht auf, egal wie gut die eigene Seite ist. Das ist unbequem, aber es ist so.

Und die richtige Kennzahl beobachten. Wenn eine KI Ihren Namen nennt, sehen Sie das nicht in den Besucherzahlen — sondern zeitversetzt darin, dass mehr Leute direkt nach Ihrem Firmennamen suchen. Wer nur auf Verweise schaut, misst das Falsche.

Womit man in KI-Antworten überhaupt vorkommt und was dafür auf der Website nötig ist, gehört zu unserer Arbeit an Sichtbarkeit. Die technische Seite — welche Dateien KI-Systeme lesen und wie man sie bereitstellt — haben wir hier beschrieben.

Sichtbarkeit prüfen lassen

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