Das Telefon klingelt. Am anderen Ende jemand von Ihrer Bank. Es habe eine Fehlbuchung gegeben, man müsse sie gemeinsam stoppen, dazu bräuchte es kurz Zugriff auf Ihren Rechner — ein kleines Programm, in zwei Minuten installiert.
Diese Masche läuft seit Monaten in der Schweiz. Die Kantonspolizei Bern beziffert den Schaden allein in ihrem Kanton auf mehrere Millionen Franken, erbeutet zwischen November 2025 und April 2026. Das Bundesamt für Cybersicherheit meldete im April eine Häufung solcher Anrufe, und sein Halbjahresbericht führt sie inzwischen als etablierte Methode.
Wir schreiben darüber, weil wir ein besonderes Verhältnis zu diesem Thema haben: Wir machen selbst Fernwartung. Unsere Kundschaft ist es gewohnt, dass jemand von uns auf ihren Bildschirm schaut. Damit sind wir Teil dessen, was diese Masche ausnutzt — und müssen umso deutlicher sagen, woran man einen echten Anruf erkennt.
Was beim Fernzugriff tatsächlich passiert
Programme wie AnyDesk oder TeamViewer sind seriöse Werkzeuge. Sie tun genau das, wofür sie gebaut sind — und das ist der Punkt.
Wer die Verbindung hat, sieht Ihren Bildschirm, steuert Ihre Maus, kann im Hintergrund Passwörter und Anmeldedaten mitlesen, Programme installieren und Ihr E-Banking öffnen. Es gibt keine Teilfreigabe für «nur die eine Fehlbuchung». Wer drin ist, ist drin.
Deshalb ist die Installation der entscheidende Moment. Danach kann der Betrug in Ruhe ablaufen, während Sie am Telefon beruhigt werden.
Die Vorwände wechseln, die Masche bleibt
Zurzeit sind zwei verbreitet:
Die falsche Bank. Angebliche Fehlbuchungen, die «gestoppt» werden müssen. Dringlichkeit ist eingebaut — es soll jetzt gehandelt werden, nicht morgen.
Das falsche BAKOM. Neuer und perfider: Anrufer geben sich als Mitarbeitende des Bundesamts für Kommunikation aus und behaupten, Ihre Telefonnummer werde gesperrt oder sei es bereits. Eine Behörde, die man kennt, ein Anliegen, das man nicht einschätzen kann.
Morgen wird es ein anderer Vorwand sein. Die Vorwände sind austauschbar; deshalb hilft es wenig, sie auswendig zu lernen.
Die eine Regel, die trägt
Es gibt eine Unterscheidung, die unabhängig vom Vorwand funktioniert:
Wer Sie anruft, kann nicht beweisen, wer er ist. Wer von Ihnen angerufen wird, schon.
Eine Telefonnummer im Display sagt gar nichts — sie lässt sich fälschen, und genau das geschieht. Ein Name auch nicht. Es gibt am eingehenden Anruf kein Merkmal, an dem sich Echtheit festmachen liesse.
Umgekehrt schon: Wenn Sie auflegen und die Nummer wählen, die Sie selbst nachgeschlagen haben — auf Ihrem Kontoauszug, auf der Website des Anbieters, auf Ihrer Rechnung —, landen Sie garantiert dort, wo Sie hinwollen.
Daraus folgt die Regel: Bei jedem unerwarteten Anruf, der zu einer Handlung drängt: auflegen und selbst zurückrufen. Nicht die Nummer verwenden, die man Ihnen nennt. Nicht die aus dem Display. Die, die Sie selbst finden.
Ein echter Anrufer hat damit kein Problem. Ein Betrüger schon — er wird Gründe nennen, warum das gerade jetzt nicht gehe.
Der Grundsatz der Polizei
Er ist kurz und deckt fast alles ab: Keine seriöse Institution verlangt jemals, dass Sie Fernzugriffs-Software installieren, Passwörter oder Sicherheitscodes herausgeben oder Bargeld abheben und bereitlegen.
Keine Bank. Keine Behörde. Keine Versicherung. Und auch kein Hoster.
Was bei uns gilt
Damit Sie uns einordnen können, hier unsere Seite der Sache:
Wir bitten Sie nie unaufgefordert am Telefon, Fernwartungssoftware zu installieren. Wenn wir auf Ihren Bildschirm schauen, dann weil Sie uns ein Anliegen gemeldet haben — über ein Ticket, eine E-Mail oder einen Anruf, der von Ihnen ausging. Es gibt bei uns keinen Vorgang, der damit beginnt, dass wir uns melden und Zugriff brauchen.
Wir fragen Sie nie nach Ihrem Passwort. Nicht am Telefon, nicht per E-Mail. Wir brauchen es nicht — für unsere Arbeit an Ihrer Website und Ihrem Hosting haben wir eigene Zugänge.
Und wenn Sie unsicher sind, ob wirklich wir am Apparat sind: legen Sie auf. Rufen Sie unter +41 71 740 05 74 zurück, der Nummer auf unserer Website. Das ist kein Misstrauen und wir nehmen es niemandem übel — es ist genau das richtige Verhalten. Wir sagen Ihnen dann, ob der Anruf von uns kam.
Wenn es schon passiert ist
Sollten Sie jemandem Zugriff gegeben haben und danach Zweifel bekommen: Trennen Sie den Rechner vom Netz, statt zuerst zu überlegen. Ziehen Sie das Netzwerkkabel oder schalten Sie das WLAN aus. Danach die Bank informieren, die Fernwartungssoftware entfernen und die Passwörter von einem anderen Gerät aus ändern — nicht von dem, auf das jemand Zugriff hatte.
Und melden Sie den Vorfall. Das BACS nimmt Meldungen entgegen, auch anonym; jede Meldung verbessert das Lagebild.
Was Sie im Betrieb tun können
Dieser Betrug richtet sich nicht nur an Privatpersonen. In einem Betrieb trifft der Anruf oft jemanden, der nicht entscheidet, aber helfen will — im Sekretariat, in der Buchhaltung.
Sagen Sie einmal im Team, dass Auflegen erlaubt ist. Der Betrug lebt davon, dass Menschen höflich bleiben und nicht als misstrauisch gelten wollen. Wenn im Betrieb bekannt ist, dass ein Rückruf ausdrücklich erwünscht ist, verliert die Masche ihren wichtigsten Hebel.