Es gibt Fehler, die schreien. Und es gibt solche, bei denen alles normal aussieht, während im Hintergrund etwas nicht ankommt. Dieser gehört zur zweiten Sorte.
Seit dem 19. August, mit dem Erscheinen von WordPress 7.1, liefern bestimmte Websites ihre Sitemap mit dem Fehlercode 404 aus — obwohl die Datei vollständig und korrekt ist. Suchmaschinen werfen sie deshalb weg.
Betroffen sind ausschliesslich Seiten ohne einen einzigen veröffentlichten Beitrag. Also genau der typische Firmenauftritt: Startseite, Leistungen, Über uns, Kontakt — und kein Blog.
Was passiert ist
Die Erklärung steht in der Korrektur selbst, und sie ist ungewöhnlich ehrlich.
WordPress setzt einen 404-Fehler, wenn die Hauptabfrage keine Beiträge findet und keine Ausnahme greift. Sitemap-Aufrufe standen nie auf dieser Ausnahmeliste. Sie waren, wörtlich, «nur beiläufig geschützt» — dadurch nämlich, dass sie hilfsweise als Startseite durchgingen. Im August wurde dieser Umweg beim Aufräumen entfernt. Zu Recht, er war ein Zufallsprodukt.
Nur hatte er eben etwas geschützt.
Das Ergebnis beschreiben die Entwickler so: Eine Seite ohne veröffentlichte Beiträge liefere «eine vollständige, gültige Sitemap unter einem 404-Status aus, die Suchmaschinen verwerfen».
Es ist also kein Angriff, kein Einbruch und nicht einmal ein Fehler im Sitemap-Code. Eine saubere Aufräumarbeit hat einen Schutz beseitigt, den niemand als Schutz eingeplant hatte. Dass es ausgerechnet die kleinsten Seiten trifft, ist die Ironie daran: Wer regelmässig Beiträge veröffentlicht, hat das Problem nie gehabt.
Warum es niemandem auffällt
Rufen Sie Ihre Sitemap im Browser auf, und Sie sehen eine Sitemap. Sauber, vollständig, alle Adressen drin. Kein Hinweis, keine Fehlermeldung, kein Plugin, das Alarm schlägt.
Der Fehlercode steckt nicht im Inhalt, sondern in der Antwort des Servers — und die zeigt kein Browser an. Sichtbar ist er nur an zwei Stellen: wenn man die Antwortkopfzeilen liest, oder in der Google Search Console.
Wie Sie es prüfen — und die Falle dabei
Der naheliegende Weg ist, die Adresse mit einem Werkzeug abzurufen, das den Status anzeigt. Am Mac oder unter Linux genügt dieser Befehl in der Konsole, wobei Sie Ihre eigene Adresse einsetzen:
curl -I https://ihre-domain.ch/wp-sitemap.xml
Hier lauert allerdings ein Missverständnis, das wir beim Ausprobieren selbst erlebt haben. Wir haben den Befehl auf zwei grossen WordPress-Seiten getestet — beide antworteten mit 404. Betroffen waren sie trotzdem nicht.
Der Unterschied liegt im Dateityp. Beide Seiten benutzen ein Plugin, das die Sitemap woanders ablegt; unter der Standardadresse liegt schlicht nichts, und die Antwort ist eine gewöhnliche Fehlerseite aus HTML. Das ist kein Fehler, sondern eine andere Einrichtung.
Der hier beschriebene Fehler sieht anders aus:
Status 404 — und trotzdem kommt XML zurück. Also eine gültige Sitemap unter einem Fehlercode. Nur diese Kombination ist der Fehler.
Der einfachere Weg führt über die Google Search Console. Dort unter «Sitemaps» nachsehen: Steht bei Ihrer eingereichten Sitemap «Konnte nicht abgerufen werden» oder ein Fehler, und hat Ihre Seite keine Blogbeiträge, dann ist das mit einiger Wahrscheinlichkeit dieser Fall. Das ist auch die ehrlichere Prüfung, weil sie zeigt, was Google tatsächlich gesehen hat — nicht, was wir vermuten.
Was zu tun ist
Die Korrektur ist unterwegs. WordPress 7.1.1 ist für Donnerstag, den 17. September angekündigt und enthält unter anderem genau diesen Punkt.
In der Standardeinstellung spielt WordPress solche Korrekturversionen von selbst ein — das gilt für Wartungsversionen wie diese seit Jahren. Wenn bei Ihnen automatische Updates aktiv sind, müssen Sie vermutlich gar nichts tun, ausser in ein paar Tagen einmal nachzusehen, ob die Version stimmt.
Wenn Sie automatische Updates abgeschaltet haben: Diese Version ist eine, die sich lohnt.
Und danach der Schritt, den die meisten vergessen: Reichen Sie die Sitemap in der Search Console neu ein. Google hat sie vier Wochen lang verworfen; ein neuer Anlauf beschleunigt, dass die Seiten wieder erfasst werden.
Was uns daran beschäftigt
Der Änderungshinweis zu 7.1.1 nennt vierzehn behobene Punkte. Für die allermeisten Betriebe sind dreizehn davon bedeutungslos — und einer entscheidet darüber, ob die eigene Website in den nächsten Wochen vollständig in der Suche auftaucht.
Genau deshalb ist «steht ja nichts Dramatisches im Changelog» keine brauchbare Grundlage für die Entscheidung, ein Update zu verschieben. Die Einträge sind nach technischer Natur sortiert, nicht danach, was sie einen Betrieb kosten.
Wir sehen bei unseren Kunden ohnehin nach, welche Fassung läuft. Wenn Sie nicht wissen, ob Ihre Seite betroffen ist, oder wenn die Search Console etwas meldet, das Sie nicht einordnen können: Melden Sie sich, das ist in fünf Minuten geklärt.