Die niederländische Steuer- und Zollverwaltung stoppt ihre Migration zu Microsoft 365. Der zuständige Staatssekretär im Finanzministerium hat es gestern dem Parlament mitgeteilt.
Das Bemerkenswerte ist nicht der Stopp. Es ist der Rückbau: Rund 5000 der 47 500 Mitarbeitenden waren bereits gewechselt. Sie werden zurückgeholt, bis Ende 2026.
Was der Ausschuss beanstandet hat
Vorausgegangen war die Empfehlung eines Beratungsausschusses für IKT-Bewertung. Dessen Urteil, wörtlich:
«Die Wahl der aktuellen M365-Konfiguration in der Public Cloud ist für die Steuer- und Zollverwaltung nicht zielführend. Sie weist Mängel in Bezug auf Informationssicherheit, Datenverarbeitung und Zukunftsfähigkeit auf.»
Auf diesen Satz lohnt sich ein genauer Blick, bevor er in die falsche Richtung gelesen wird. Beurteilt wird die Konfiguration für diese Behörde, nicht das Produkt. Eine Steuerverwaltung mit 47 500 Mitarbeitenden und den Steuerdaten eines ganzen Landes hat andere Anforderungen als ein Treuhandbüro mit sechs Angestellten. Wer daraus «Microsoft 365 ist unsicher» macht, hat etwas anderes gelesen, als dort steht.
Der Satz, der den Beitrag trägt
Im Brief des Staatssekretärs steht ein Nebensatz, der leicht zu überlesen ist. Mail und Kalender sollen vorerst weiterhin mit Microsoft-Lösungen laufen — aber lokal bereitgestellt. Möglich sei das, weil die Kapazität der eigenen Rechenzentren erfolgreich ausgebaut worden sei.
Das ist die eigentliche Nachricht.
Dieser Rückbau funktioniert, weil die Behörde eigene Rechenzentren hat, deren Kapazität eigens dafür erweitert wurde. Sie hat ein Betriebsteam, Beschaffungsmacht und einen Zeithorizont von Jahren. Erst 2027 und 2028 sollen europäische Open-Source-Lösungen für Dateiablage und Zusammenarbeit folgen.
Nichts davon hat ein Kleinbetrieb.
Warum das trotzdem hierhergehört
Wir haben vor zwei Tagen über die Schweizer Gemeinden geschrieben: 2110 von 2229 liegen bei Microsoft 365, und 87 Prozent von ihnen haben keine durchsetzende Richtlinie gegen gefälschte Absender. Der Punkt war damals, dass ab einer gewissen Verbreitung die Voreinstellung eines Anbieters zur faktischen Regel für ein ganzes Land wird.
Dies hier ist die Gegenprobe. Jemand geht den Weg zurück — und man sieht, was das verlangt.
Für einen Betrieb mit zwölf Angestellten lautet die Frage deshalb nicht «Cloud oder nicht». Für die allermeisten ist sie die richtige Wahl, und wir sagen das als Anbieter, der etwas anderes verkaufen könnte. Die Frage lautet:
Wie teuer wäre es, wieder herauszukommen — und weiss ich das, bevor ich es wissen muss?
Drei Fragen, die den Rückweg sichtbar machen
Sie lassen sich an einem Nachmittag beantworten, und die Antworten veralten langsam.
Wo liegen die Daten, und in welchem Format bekomme ich sie heraus? Jeder seriöse Anbieter hat eine Exportfunktion. Entscheidend ist nicht, dass es sie gibt, sondern was herauskommt: eine lesbare Datei oder ein Format, das nur dieselbe Software wieder öffnet. Probieren Sie es einmal aus, mit einem kleinen Teilbestand. Das kostet eine halbe Stunde und beantwortet mehr als jedes Datenblatt.
Was hängt daran, das nicht offensichtlich ist? Nicht nur Dateien und Postfächer — auch die Anmeldung. Wenn die Benutzerkonten beim selben Anbieter liegen und daran die Anmeldung an Drittdiensten hängt, ist der Umzug keine Datenfrage mehr, sondern eine Frage der Identität. Das ist der Teil, der in Projekten regelmässig unterschätzt wird.
Wer würde es machen? Die Behörde hat ein Team. Ein Kleinbetrieb hat einen Dienstleister oder jemanden, der sich «ein bisschen auskennt». Ein Wechsel, den niemand durchführen kann, ist keine Option, sondern eine Absichtserklärung.
Was wir damit nicht sagen
Nicht, dass Sie wechseln sollten. Nicht, dass Open Source die Antwort ist — die Behörde plant das für 2027 und 2028, und ob es aufgeht, steht nicht fest. Und ausdrücklich nicht, dass es ein Fehler war, in die Cloud zu gehen.
Sondern nur: Eine Abhängigkeit, die man kennt, ist eine Entscheidung. Eine, die man nicht kennt, ist ein Risiko. Dieselbe Unterscheidung gilt beim Hoster, und was passiert, wenn der ausfällt, haben wir im September durchgespielt.
Wenn Sie wissen wollen, wie Ihr Rückweg aussieht — welche Daten wo liegen, was ein Export hergibt, was ein Umzug bedeuten würde: Das sehen wir mit Ihnen durch, ohne dass daraus ein Projekt werden muss.