Am 1. Oktober 2026 beginnt Microsoft damit, Exchange Web Services in Exchange Online abzuschalten. Am 1. April 2027 ist endgültig Schluss.
Falls Ihnen «Exchange Web Services» nichts sagt: Das ist genau das Problem. Es ist eine Schnittstelle, über die fremde Programme auf Postfächer zugreifen — und sie steckt in Geräten und Anwendungen, bei denen niemand daran denkt.
Was bei einem Kleinbetrieb daran hängt
Die Fachmeldungen zu diesem Thema richten sich an Entwickler und erklären, wie man Programmcode auf die Nachfolgeschnittstelle umstellt. Für einen Betrieb mit zwölf Leuten ist das die falsche Frage. Sie haben keinen Programmcode. Sie haben Geräte.
Typischerweise hängt daran: Scan-to-Mail am Multifunktionsdrucker — der Kopierer im Flur, der gescannte Dokumente verschickt. Signaturwerkzeuge, die einheitliche Fusszeilen in ausgehende Mails setzen. Displays vor Sitzungszimmern, die den Belegungsplan zeigen. Ältere Anbindungen an Warenwirtschaft oder Kundenverwaltung, die Termine oder Mails synchronisieren. Archivierungs- und Sicherungsprogramme, die Postfächer abziehen.
Keines dieser Dinge meldet sich, wenn es abgeschaltet wird. Der Kopierer zeigt keinen Fehler an. Er sagt «Gesendet» — und die Mail kommt nie an. Sie merken es, wenn jemand nachfragt, wo die eingescannte Rechnung bleibt.
Die Prüfung, die fünf Minuten dauert
Microsoft stellt für genau diesen Zweck einen Bericht bereit, der Ihnen namentlich sagt, welche Anwendungen in Ihrem Mandanten die Schnittstelle in der letzten Woche benutzt haben.
Sie finden ihn im Microsoft-365-Verwaltungsbereich unter Berichte, Nutzung, EWS Weekly Usage. Wer den Weg abkürzen will, ruft den Bericht direkt auf.
Jede Zeile in diesem Bericht ist ein Gerät oder ein Programm, das ab Oktober stillsteht. Ist die Liste leer, sind Sie fertig — dann brauchen Sie nichts weiter zu tun. Das ist ein Ergebnis, das die fünf Minuten wert ist.
Wenn etwas drinsteht
Für jeden Eintrag gibt es drei Wege.
Beim Hersteller nachfragen, ob eine Fassung existiert, die die neue Schnittstelle spricht. Bei Software ist das meist eine Aktualisierung, die längst bereitsteht.
Beim Drucker ist die Antwort fast immer einfacher als gedacht. Scan-to-Mail lässt sich in aller Regel auf den normalen Mailversand umstellen — ein eigenes Postfach für das Gerät, Benutzername und Kennwort in den Geräteeinstellungen, fertig. Das ist kein Projekt, das ist ein Nachmittag.
Und für alles, was bis Oktober nicht umgestellt ist, gibt es eine Notbremse, die kaum jemand kennt.
Die Notbremse gilt bis April
Zwischen dem 1. Oktober 2026 und dem 1. April 2027 darf ein Administrator die Schnittstelle selbst wieder einschalten. Microsoft weist darauf hin, dass es dabei zu einem Unterbruch kommt — aber der Weg existiert. Ab April 2027 nicht mehr.
Sie haben also nicht drei Wochen, sondern gut sechs Monate. Wer am 2. Oktober feststellt, dass der Kopierer schweigt, steht nicht vor einer Wand.
Wichtig ist der Unterschied: Das ist eine Notbremse, kein Aufschub. Wer sie zieht, hat das Problem nicht gelöst, sondern vertagt — und im April kommt es wieder, dann ohne Ausweg.
Was bis Ende September passieren sollte
Es gibt noch einen zweiten Termin, und der ist näher: Bis Ende September lässt sich für einzelne Anwendungen eine Ausnahmeliste hinterlegen, damit sie über den Oktober hinaus weiterlaufen. Wer nichts tut, bei dem setzt Microsoft die Einstellung ab dem 1. Oktober automatisch auf «aus».
Das heisst konkret: Wenn Sie ein Gerät haben, das Sie nicht rechtzeitig umstellen können — die Archivierungslösung, die noch bis Jahresende läuft, oder der Drucker, für den erst im November Ersatz kommt —, dann gehört diese Ausnahme in den nächsten zwei Wochen eingetragen. Danach bleibt nur noch die Notbremse mit Unterbruch.
Der Grund, warum Microsoft das tut
Diese Abschaltung steht seit 2018 im Raum und war lange unverbindlich. Beschleunigt hat sie ein Sicherheitsvorfall: Beim Angriff auf Microsoft im Januar 2024 spielte genau diese Schnittstelle eine Rolle. Danach wurde aus «wird irgendwann abgelöst» ein Datum.
Das ist kein Grund zur Beunruhigung, aber es erklärt, warum es diesmal keine weitere Verschiebung gibt. Die bisherigen Termine wurden mehrfach verschoben, dieser nicht.
Kurz
Öffnen Sie den Nutzungsbericht und sehen Sie nach, was bei Ihnen auf der Liste steht. Ist sie leer, haben Sie fünf Minuten investiert und wissen, dass Sie nichts zu tun haben. Steht etwas drin, haben Sie drei Wochen für die einfachen Fälle und bis April für den Rest.
Wenn Sie Ihre Mail bei uns haben, betrifft Sie diese Abschaltung nicht — sie gilt für Exchange Online bei Microsoft. Wer gerade merkt, dass er nicht weiss, was alles an seinem Postfach hängt, kann das zum Anlass nehmen, einmal aufzuräumen.