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Stefan Kellenberger 5 Min. Lesezeit

Der Dienst, an dem Ihr Fernzugriff hängt, hört auf

Ein seit 2013 betriebener DynDNS-Dienst soll Ende Oktober eingestellt werden. Ob das Datum hält, konnten wir nicht bestätigen — die Frage dahinter aber schon: Wie viel in Ihrem Betrieb hängt an etwas, wofür niemand eine Rechnung stellt?

Es gibt in vielen Kleinbetrieben einen Namen, den niemand kennt und der alles zusammenhält. Er sieht aus wie firmaxy.ddnss.de, steht im Router, im NAS, in der Kamera-App und in der VPN-Verbindung des Chefs — und er sorgt dafür, dass man von aussen hineinkommt, obwohl die Internetadresse des Anschlusses sich regelmässig ändert.

Für diesen Namen sorgt ein sogenannter dynamischer DNS-Dienst. Er kostet nichts. Und bei einem der bekannten deutschen Anbieter soll damit Ende Oktober Schluss sein.

Was gemeldet wird — und was wir davon bestätigen konnten

Nach einer Meldung vom 24. September stellt der Betreiber von ddnss.de seinen Dienst zum 31. Oktober 2026 ein. Grundlage ist eine E-Mail des Betreibers vom 22. September, die ein Leser an einen deutschen IT-Blog weitergegeben hat. Darin heisst es, die laufenden Kosten für Server und Infrastruktur sowie der zeitliche Aufwand für Betrieb, Wartung und Administration seien inzwischen einfach zu hoch. Betrieben hat er den Dienst seit Mai 2013.

Wir haben nachgesehen, und hier wird es unsauber: Auf der Website des Dienstes steht davon nichts. Die dortige Newsseite endet mit einem Eintrag vom Januar 2025. Auch Startseite, Info, FAQ, Nutzungsregeln und Kontaktseite enthalten keinen Hinweis. Eine zweite, unabhängige Meldung liess sich nicht finden.

Das heisst nicht, dass die Meldung falsch ist — eine Rundmail an die Nutzerschaft ist ein ganz normaler Weg, und nicht jeder Betreiber pflegt daneben noch seine Website. Es heisst nur: Wir können Ihnen das Datum nicht garantieren, und wir sagen das lieber, als so zu tun, als sei es amtlich.

Praktisch ändert das wenig. Wer jetzt nachsieht und gegebenenfalls umzieht, hat nichts verloren, falls die Frist nie eintritt. Wer nicht nachsieht, merkt es an dem Tag, an dem der Name nicht mehr auflöst.

Warum das mehr ist als eine Meldung über einen Anbieter

Der eigentliche Punkt hat mit ddnss.de wenig zu tun.

Kostenlose Infrastruktur hat einen Eigentümer, und der kann aufhören. Hier ist es offenbar eine einzelne Person, die dreizehn Jahre lang einen Dienst betrieben hat, für den sie nie jemandem eine Rechnung geschickt hat, und der jetzt Geld und Zeit ausgehen. Das ist kein Fehlverhalten. Das ist der Normalfall bei so etwas, und es ist erstaunlich, wie lange es meistens gutgeht.

Die unangenehme Frage ist die andere: Wie viel in Ihrem Betrieb hängt daran?

Ein dynamischer DNS-Name ist dafür das perfekte Beispiel, weil er drei Eigenschaften hat, die zusammen gefährlich sind. Er wurde einmal eingerichtet, meistens von jemandem, der heute nicht mehr da ist. Er steht in keiner Inventarliste, weil er nichts kostet und keine Lizenz hat. Und wenn er ausfällt, sieht der Fehler nach etwas ganz anderem aus — die VPN-Verbindung baut nicht auf, die Kamera-App zeigt «nicht erreichbar», das NAS ist von unterwegs weg. Man sucht dann im VPN, im Router, in der Firewall. Am Namen sucht niemand.

Wir haben am Dienstag über einen Ausfall beim Hoster geschrieben: auch dort fällt nicht der eigene Server aus, sondern etwas davor. Diese Gattung von Störung hat gemeinsam, dass die eigene Technik in Ordnung ist und man trotzdem nichts machen kann — ausser dem, was man vorher gemacht hat.

Was jetzt zu tun ist

Erstens: nachsehen, ob es Sie betrifft. Dafür genügt ein Blick an drei Stellen. Im Router unter der Rubrik «DynDNS» oder «Dynamisches DNS» steht, ob ein solcher Dienst eingetragen ist und welcher. Im NAS gibt es dieselbe Einstellung meist unter «Externer Zugriff». Und in den VPN-Verbindungen auf den Notebooks steht im Feld «Server» entweder eine feste Adresse oder eben ein solcher Name.

Wenn Sie an keiner der drei Stellen etwas finden: Sie sind nicht betroffen, und Sie haben zehn Minuten gut angelegt.

Zweitens: die Frage stellen, ob Sie das überhaupt brauchen. Viele Betriebe benutzen dynamisches DNS, weil ihr Anschluss keine feste Adresse hat. Eine feste Adresse kostet bei den meisten Schweizer Anbietern wenig und macht die ganze Konstruktion überflüssig. Das ist oft die bessere Antwort als der Umzug zum nächsten kostenlosen Dienst.

Drittens, wenn Sie dabei bleiben: den Namen auf die eigene Domain legen. Sie haben ohnehin eine. Ein Eintrag wie fernzugriff.ihrefirma.ch, der automatisch aktualisiert wird, gehört Ihnen — und wenn der Dienstleister dahinter aufhört, ziehen Sie um, ohne dass sich an den Geräten etwas ändert. Genau das ist der Unterschied: Beim kostenlosen Anbieter gehört Ihnen der Name nicht.

Die Liste, die man einmal macht und dann hat

Im IT-Notfallplan des Bundes, den wir letzte Woche durchgegangen sind, gibt es eine Tabelle für die kritischen Abhängigkeiten zu externen Partnern. Sie ist schnell ausgefüllt und wird fast immer zu kurz ausgefüllt — weil man an die Dienstleister denkt, denen man Geld überweist.

Genau die sind aber nicht das Problem. Wer eine Rechnung stellt, meldet sich auch, wenn etwas ist. Die riskanten Abhängigkeiten sind die, für die niemand eine Rechnung schickt: der DynDNS-Name, das kostenlose Zertifikat mit dem abgelaufenen Erneuerungsskript, der Newsletter-Dienst im Gratistarif, das Formular-Werkzeug, das ein Praktikant eingebunden hat.

Ergänzen Sie die Tabelle um eine Spalte: Was kostet das? Alles mit «nichts» gehört zweimal angesehen.

Wenn Sie nicht wissen, was bei Ihnen eingetragen ist

Bei Kunden, deren Anschluss und Geräte wir betreuen, sehen wir das nach und melden uns, wenn etwas umzustellen ist. Bei allen anderen ist es die halbe Stunde, die oben beschrieben ist — und danach wissen Sie es, unabhängig davon, ob dieser eine Dienst nun Ende Oktober aufhört oder nicht.

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