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Stefan Kellenberger 4 Min. Lesezeit

Die Anwendung, die nur quartalsweise läuft, steht nicht auf der Liste

Seit Samstag verlangt Exchange Online, dass jede Anwendung einzeln freigegeben ist, die auf Exchange Web Services zugreift. Microsoft hat die Listen selbst vorbefüllt — anhand der letzten 60 Tage. Wer seltener läuft, fehlt darin.

Seit dem 10. Oktober genügt es in Exchange Online nicht mehr, dass die Einstellung EWSEnabled auf «True» steht. Zusätzlich muss unter EWSAllowedAppIDs eingetragen sein, welche Anwendungen auf die Exchange Web Services zugreifen dürfen. Was dort nicht steht, verliert möglicherweise den Zugang.

Microsoft hat das am 1. Oktober im Message Center angekündigt, unter MC1485116.

Zuerst die Entwarnung

Das klingt nach einem Montagmorgen, an dem die halbe IT stillsteht. So ist es nicht gedacht, und so wird es für die meisten auch nicht kommen.

Microsoft hat die Listen selbst vorbefüllt. Am 8. und 9. Oktober hat der Anbieter für berechtigte Mandanten automatisch eingetragen, welche Anwendungen Zugriff behalten sollen — auf Grundlage dessen, was er an EWS-Aktivität beobachtet hat.

Wer also regelmässig eine EWS-Anwendung nutzt, hat sie mit einiger Wahrscheinlichkeit bereits auf der Liste, ohne etwas getan zu haben.

Und jetzt die Lücke

Die Automatik stützt sich auf die in den letzten 60 Tagen beobachtete Aktivität.

Das ist für den Normalfall vernünftig. Es lässt aber eine Kategorie von Anwendungen aussen vor, und zwar ausgerechnet die unauffälligste: alles, was seltener läuft als alle zwei Monate.

Der Export für den Quartalsabschluss. Die Auswertung, die einmal im Jahr für die Revision gefahren wird. Das Archivierungswerkzeug, das nur zum Jahresende alle Postfächer durchgeht. Die Schnittstelle zum Lohnsystem, die im Dezember die Jahresendverarbeitung macht. Ein Serienbriefwerkzeug, das zweimal jährlich die Kundschaft anschreibt.

Alle diese Anwendungen waren im Beobachtungsfenster unsichtbar. Für Microsoft existierten sie nicht, also stehen sie nicht auf der Liste.

Und sie fallen nicht heute aus. Sie fallen beim nächsten Mal aus, wenn sie gebraucht werden — also möglicherweise im Dezember, mitten im Jahresabschluss, mit einer Fehlermeldung, die niemand mit einer Umstellung vom Oktober in Verbindung bringt.

Das ist der Fall, den die Automatik nicht abdeckt, und der einzige Grund, warum dieser Beitrag hier steht.

Was heute zu tun ist

Prüfen, ob es Sie überhaupt betrifft. Zwei Bedingungen müssen zusammenkommen: EWSEnabled steht auf «True», und es gibt Anwendungen, die EWS nutzen. Trifft eines davon nicht zu, ist die Sache für Sie erledigt.

Die eigene Liste ansehen. Der Eintrag MC1485116 im Message Center Ihres Mandanten enthält die Anleitung für Ihre konkrete Umgebung — samt des Befehls, mit dem sich die aktuelle Belegung auslesen lässt. Ich nenne den Befehl hier bewusst nicht aus dem Gedächtnis: Die Microsoft-Dokumentation war unter den geprüften Adressen nicht erreichbar, und ein Befehl, den ich nicht am Original nachgelesen habe, gehört nicht in einen Text, nach dem jemand handelt.

Die seltenen Anwendungen aufschreiben. Das ist der Teil, den keine Automatik übernehmen kann. Gehen Sie die Jahresabläufe durch: Was greift auf Postfächer zu, läuft aber nur quartalsweise oder jährlich? Diese Namen gehören auf die Liste, bevor sie gebraucht werden.

Verantwortlich bleiben Sie. Microsoft schreibt es selbst: Auch wo vorbefüllt wurde, liegt die Überprüfung und Pflege der Einträge bei der Organisation. Die Vorbefüllung ist eine Hilfe, keine Übernahme.

Was bei Microsoft selbst EWS nutzt

Nicht nur Fremdsoftware erzeugt EWS-Verkehr. Microsoft nennt unter anderem Outlook für Windows, das klassische Outlook für Mac, Excel Power Query, Power BI und Exchange-Hybridszenarien.

Für Outlook unter Windows empfiehlt Microsoft den Build vom August 2026, Nummer 16.0.20430.20092, oder neuer. Wer ältere Stände im Einsatz hat — etwa auf Geräten, die selten aktualisiert werden —, sollte dort zuerst nachsehen.

Warum solche Fristen durchrutschen

Diese Umstellung stand seit dem 1. Oktober im Message Center. Sie war angekündigt, dokumentiert und terminiert.

Trotzdem wird sie in vielen Betrieben erst auffallen, wenn etwas klemmt. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil das Message Center eines Mandanten täglich Meldungen ausspuckt, von denen die allermeisten nichts mit dem eigenen Betrieb zu tun haben. Die eine, die zählt, steht zwischen zwanzig, die nicht zählen.

Dieselbe Gattung hatten wir im September bei der Entra-Connect-Frist Ende September: ein Datum, das Microsoft lange vorher nannte, und ein Betrieb, der es trotzdem erst am Tag danach bemerkt.

Wenn Sie Microsoft 365 nutzen und niemanden haben, der das Message Center regelmässig durchsieht: Genau dafür ist jemand da, der es tut.

Microsoft-365-Meldungen überwachen lassen

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